

Ganzheitliche Erlebniskultur
Eine neue Veranstaltungskultur prägt seit einiger Zeit die Erlebnislandschaft – vor allem in den Städten. Erlebnisse werden mehr und mehr durch die gleichzeitige Ansprache verschiedener Sinne geprägt: Beim Krimi-Dinner genießen die Zuschauer nicht nur kulinarisch, sondern werden hautnah Zeugen behaglich-schauriger Verbrechen. Museumsbesuche mutieren zu nächtlichen Taschenlampen-Exkursionen zwischen ausgestellten Riesenechsen oder zur Teilnahme an einem mittelalterlichen Ritterspektakel. Ebenfalls immer beliebter: Themen-Events, bei denen sich alles nur um ein bestimmtes Thema dreht: zum Beispiel die Schokolade im Kontext von Musik, Kunst, Speisen und Getränken.
Doch auch andersherum geht die Rechnung auf: Beim Blinden-Menü im Münchner Dunkelrestaurant „Zum Blinden Engel“ wird bewusst ein Sinn ausgeschaltet – die Sehkraft. Dies stimuliert die verbleibenden Sinne – Gehör, Geruch, Geschmack und Tastsinn – umso mehr. Auch das ist ganzheitliche Erlebniskultur. Immer häufiger werden übrigens Theaterveranstaltungen und Konzerte mit Gaumenfreuden kombiniert. Was in vergangenen Jahrhunderten durchaus üblich war, später aber als „unfein“ galt, wird auf diese Weise wieder neu belebt.
