GENUSSGRUNDSÄTZE.

Genussgrundsätze.
Der Genuss und die Grundsätze. Genuss ist kein Zufall. Für Genuss muss man bereit sein – innerlich wie äußerlich. So lassen sich die Weichen für ein genussvolles Erleben auch dadurch stellen, dass man sich von negativen Klischees befreit. Die Genussforscher Rainer Lutz und Eva Koppenhöfer definieren dafür sieben Kriterien, die den Genuss zum Genuss machen:

  1. Genuss braucht Zeit - Dies gilt in zweifacher Hinsicht, denn Genuss kann sich nur entwickeln, wenn in einer aktuellen Situation auch Zeit zur Verfügung steht. Schneller Genuss ist ein Widerspruch in sich. Zudem braucht der Mensch (Lebens-)Zeit, um Genussfähigkeit zu erwerben, aber auch um persönliche Genüsse entdecken und erfahren zu können.
  2. Genießen muss erlaubt sein - In einer Erziehung, die Genuss tabuisiert oder bestraft, kann sich keine Genusskompetenz entwickeln. Dies gilt sowohl für den einzelnen Menschen und für gesamte Gesellschaften. Genuss muss erlaubt sein, damit man diesen auf gesunde Art und Weise erleben kann. Wird z.B. Sexualität als Genusserleben bestraft oder ausgeblendet, entstehen daraus Angst- oder Schuldgefühle, die ein wirkliches Genusserleben verhindern.
  3. Ohne Erfahrung kein Genuss - Genuss will erlernt sein. Der Mensch muss lernen, aus der Fülle von Reizen, die ihn täglich erreichen, jene mit Genusserlebnissen herauszufiltern – und er muss lernen, diese einzuordnen, zu bewerten und differenziert wahrzunehmen.
  4. Genießen geht nicht nebenbei - Um genießen zu können, muss man sich auf den genuss-fördernden Reiz konzentrieren und genussstörende Randbedingungen ausblenden können.
  5. Genuss: Jedem das Seine - Genuss ist immer personenspezifisch. Unterschiedliche Menschen präferieren unterschiedliche Genüsse. Auch lassen sich soziodemographische Unterschiede feststellen, z.B. in Abhängigkeit von Alter und/oder Geschlecht.
  6. Genuss ist alltäglich - Genuss ist nicht ausschließlich an besondere Situationen geknüpft. Genussreize können auch und gerade im Alltag auftreten und müssen „nur“ entsprechend wahrgenommen, kategorisiert und verarbeitet werden. Man denke hier z.B. an den Espresso, die Zeitung, das Lied, den sozialen Kontakt, den man im Alltag erlebt.
  7. Genuss: Weniger ist mehr - Besteht ein Überangebot an Genussreizen, wird es immer schwieriger, Genuss zu erleben. Es ist daher empfehlenswert, sich selbst im Genusserleben zu beschränken, aber nicht um sich zu beschneiden.